Kurz gesagt
Den größten Hebel hat KI im Active Sourcing beim Bauen von Boolean-Strings und beim Personalisieren der Ansprache: Beides dauert von Hand lange und gelingt mit einer guten Vorlage in Minuten. Starte mit einem Suchprofil aus fünf Kriterien, lass daraus Suchstrings und eine Nachrichtenvorlage erzeugen und schreib jede Ansprache selbst zu Ende. Rechtlich gilt: Die Information nach Art. 14 DSGVO gehört spätestens in die erste Nachricht an den Kandidaten.
Inhalt 13 Abschnitte
- Wo KI im Sourcing Zeit spart
- Was du brauchst
- 1. Suchprofil und Boolean-Strings
- 2. LinkedIn Recruiter und Hiring Assistant
- 3. Profile zusammenfassen
- 4. Personalisierte Erstansprache
- 5. Follow-ups
- 6. Antworten und Einwände
- 7. Talentpool pflegen
- Der Einführungsplan für dein Sourcing-Team
- Woran Sourcing mit KI meistens scheitert
- Recht und Datenschutz
- Quellen
Du hast einen guten Suchstring gebaut, und trotzdem warten Hunderte Profile darauf, dass du sie liest, vorsortierst und anschreibst. Danach kommen Antworten, Rückfragen und Follow-ups, die jemand nachhalten muss. Hier spart KI tatsächlich Zeit. Ein Sprachmodell baut aus einem Suchprofil saubere Boolean-Strings und schreibt Ansprachen, die sich auf den Werdegang der Person beziehen. Die Entscheidung, wen du anschreibst, bleibt bei dir.
Unten findest du sieben Einsatzfelder vom Suchprofil bis zum Talentpool, jedes mit einer Prompt-Vorlage. Stand der Angaben ist der 2. Oktober 2026. Eine Übersicht über Recruiting-Software mit KI, inklusive LinkedIn Recruiter, findest du in unserem Vergleich der KI-Recruiting-Tools. Den fertigen Datenschutzblock für die erste Nachricht findest du in Use Case 4, und im Abschnitt Recht und Datenschutz steht, warum er genau dorthin gehört.
Wo KI im Sourcing Zeit spart
| Use Case | Nutzen | Aufwand | Tool-Typ |
|---|---|---|---|
| Suchprofil und Boolean-Strings | Treffsichere Suchen ohne Operator-Fehler | gering | KI-Assistent |
| LinkedIn Hiring Assistant | Suche, Vorauswahl und Ansprache im Agentenmodus | mittel | Sourcing-Agent |
| Profile zusammenfassen | Schneller entscheiden, wen du ansprichst | gering | KI-Assistent oder Sourcing-Tool |
| Personalisierte Erstansprache | Höhere Antwortquote durch echten Bezug | gering | KI-Assistent |
| Follow-ups | Nachfassen ohne Druck und ohne Copy-Paste | gering | KI-Assistent oder ATS |
| Antworten und Einwände | Schnelle, passende Reaktion auf Rückfragen | gering | KI-Assistent |
| Talentpool pflegen | Kontakte nutzbar halten, Löschfristen einhalten | mittel | ATS oder CRM mit KI |
Was du brauchst
Für die meisten Vorlagen reicht ein KI-Assistent wie ChatGPT Business, Claude Team oder Microsoft 365 Copilot. Sobald du Profildaten echter Personen eingibst, brauchst du einen Business-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag und ausgeschlossenem Training. Eine europäische Alternative ist Langdock. Welche Tarife was bieten, zeigt unser Vergleich der KI-Assistenten.
Für die Suche selbst brauchst du Zugang zu den Quellen, meist LinkedIn. Boolean-Operatoren funktionieren in der normalen LinkedIn-Suche, in Recruiter Lite und in LinkedIn Recruiter. Den KI-Agenten LinkedIn Hiring Assistant gibt es nur als Add-on zu Recruiter. Für Talentpools bieten Bewerbermanagement-Systeme wie Teamtailor oder Personio eigene Funktionen.
Und du brauchst eine Datenschutzinformation für Kandidaten, auf die jede Ansprache verlinkt. Ohne diese Seite würden wir niemanden anschreiben. Mehr dazu im Abschnitt Recht und Datenschutz.
1. Suchprofil und Boolean-Strings
Gute Boolean-Strings sind mühsam. Synonyme fehlen, Klammern sitzen falsch, oft deckt der String nur den deutschen oder nur den englischen Jobtitel ab. Dann bekommst du viel zu viele Treffer oder fast keine.
Aus einem kurzen Suchprofil erzeugt die KI Synonyme, Jobtitel in beiden Sprachen und fertige Suchstrings in drei Schärfegraden. Damit das klappt, muss sie die Syntax der Plattform kennen. Laut LinkedIn-Hilfe gelten diese Regeln:
- Operatoren AND, OR und NOT in Großbuchstaben.
- Anführungszeichen für exakte Phrasen, Klammern für Gruppen.
- Reihenfolge der Auswertung: Anführungszeichen, Klammern, NOT, AND, OR.
- „+“ und „-“ werden offiziell nicht unterstützt.
Ein Beispiel für einen mittleren String: ("Data Engineer" OR Dateningenieur OR "Big Data Engineer") AND (Python OR Scala) AND (Spark OR Databricks) NOT (Praktikum OR Werkstudent).
Dafür reicht jeder KI-Assistent. In LinkedIn Recruiter übernimmt der Hiring Assistant die Suche teilweise selbst (Abschnitt 2).
Du bist erfahrener Sourcer im deutschsprachigen Markt. Erstelle Boolean-Suchstrings für LinkedIn zu dieser Stelle:
Jobtitel: [Titel]
Kernaufgaben: [drei Stichpunkte]
Muss-Skills: [höchstens fünf]
Ausschluss: [zum Beispiel Praktikum, Werkstudent, Vertrieb]
Region: [Ort oder Land]
Schritt 1: Liste Synonyme und alternative Jobtitel auf Deutsch und Englisch, auch Schreibvarianten.
Schritt 2: Baue drei Strings: breit (viele Treffer), mittel, eng (nur sehr passende Profile).
Regeln: AND, OR und NOT in Großbuchstaben, Phrasen in Anführungszeichen, Gruppen in Klammern. Keine Operatoren mit „+“ oder „-“. Keine Begriffe, die auf Alter, Geschlecht, Herkunft oder Religion zielen.
Schritt 3: Erkläre in je einem Satz, wann ich welchen String nutze.
Teste jeden String an der Trefferzahl und schärfe nach. Die Sprache deiner Branche kennt die KI nur ungefähr. Profile von Leuten, die die Stelle heute gut ausfüllen, liefern gute Suchbegriffe. Als Schablone für „Menschen wie wir“ taugen sie nicht, sonst schreibst du die heutige Zusammensetzung des Teams einfach fort.
2. LinkedIn Recruiter und Hiring Assistant
Selbst mit gutem Suchstring bleiben Hunderte Profile zum Durchsehen, und das Lesen und Vorsortieren frisst die meiste Zeit.
Der LinkedIn Hiring Assistant ist ein KI-Agent in LinkedIn Recruiter. Laut LinkedIn erarbeitet er mit dir im Gespräch eine Sourcing-Strategie, führt selbstständig viele Suchen durch, bewertet Kandidaten und Bewerber, hilft bei personalisierten Nachrichten und bewertet interessierte Kandidaten vor. Er ist in sieben Sprachen verfügbar, darunter Deutsch.
LinkedIn gibt an, dass Recruiter damit 81 Prozent weniger Profile sichten und 66 Prozent höhere InMail-Annahmequoten erreichen (Herstellerangaben, Januar 2026). Unabhängig geprüft sind diese Zahlen nicht.
Du brauchst LinkedIn Recruiter plus das Hiring-Assistant-Add-on. Preise nennt LinkedIn nur auf Anfrage. Für Konzerne mit großem internem und externem Talentpool gibt es Plattformen wie Eightfold.
Wir suchen eine Person für [Jobtitel] in [Ort, Homeoffice-Regel]. Die Stelle gibt es, weil [Grund in einem Satz].
In den ersten zwölf Monaten soll die Person: [drei konkrete Ergebnisse].
Unverzichtbar sind: [höchstens vier Kriterien mit Begründung].
Nicht entscheidend sind: [Kriterien, die oft fälschlich verlangt werden, zum Beispiel ein bestimmter Studienabschluss].
Gehaltsrahmen: [Spanne]. Starttermin: [Datum].
Bewerte Kandidaten nur nach diesen Kriterien. Ignoriere Alter, Geschlecht, Herkunft, Fotos, Lücken im Lebenslauf und die Namen von Hochschulen.
Zeig mir zu jedem vorgeschlagenen Profil, welche Kriterien es belegt erfüllt und welche offen sind.
Ein Haken bleibt: Der Hiring Assistant bewertet Kandidaten. Das ist genau der Fall, den Anhang III Nr. 4 AI Act als Hochrisiko einstuft. Ab 2. Dezember 2027 brauchst du als Arbeitgeber dafür unter anderem menschliche Aufsicht durch geschulte Personen und musst Betroffene informieren.
Schon heute gilt: Niemand darf allein wegen eines KI-Rankings aussortiert werden (Art. 22 DSGVO). In Betrieben mit Betriebsrat ist das Tool in aller Regel mitbestimmungspflichtig.
3. Profile zusammenfassen
Ein Profil gründlich zu lesen dauert. Nach dem zwanzigsten verschwimmen die Details, und das eine passende Projekt geht unter.
Die KI fasst ein Profil gegen die Kriterien deiner Stelle zusammen: was belegt ist, was fehlt und wo du in der Ansprache anknüpfen kannst. Wen du ansprichst, entscheidest du.
Der Hiring Assistant erzeugt solche Zusammenfassungen direkt in LinkedIn Recruiter. Mit einem KI-Assistenten geht es auch, dann aber nur mit Business-Tarif und nur mit den Angaben, die du wirklich brauchst. Kopiere keine ganzen Profile mit Foto, Interessen oder privaten Angaben. LinkedIn verbietet in seiner Nutzervereinbarung (Abschnitt 8.2) außerdem Software, Skripte und Browser-Plugins, die Inhalte auslesen oder kopieren.
Hier sind die Kriterien für die Stelle [Jobtitel]: [Muss- und Kann-Kriterien].
Hier sind die beruflichen Angaben aus einem Profil: [nur Berufserfahrung, Skills, Projekte, keine Fotos, keine privaten Angaben].
Erstelle eine Zusammenfassung mit höchstens 120 Wörtern:
Welche Muss-Kriterien sind im Profil belegt (mit Fundstelle)?
Welche sind offen oder nicht erkennbar?
Ein konkreter Anknüpfungspunkt für die Ansprache, zum Beispiel ein Projekt oder ein Wechsel.
Vergib keine Punktzahl und keine Gesamtnote. Ziehe keine Schlüsse auf Alter, Familie, Gesundheit, Herkunft oder Religion. Wenn Angaben fehlen, schreib „nicht erkennbar“.
Lies jede Zusammenfassung mit Vorsicht. Ein Profil ist eine Selbstdarstellung und oft veraltet. Fehlende Angaben bedeuten nicht, dass die Person etwas nicht kann. Der Prompt verzichtet bewusst auf Punktzahlen: Ein Score lädt dazu ein, ihm ungeprüft zu folgen, und genau das hält der EuGH für problematisch (Urteil vom 7. Dezember 2023, C-634/21).
4. Personalisierte Erstansprache
Serien-Nachrichten wie „Ihr Profil hat mich beeindruckt“ landen im Archiv. Eine wirklich persönliche Nachricht kostet aber pro Kandidat mehrere Minuten.
Mit der Zusammenfassung aus Abschnitt 3 schreibt die KI einen Entwurf, der sich auf einen konkreten Punkt im Werdegang bezieht und die Stelle in wenigen Sätzen beschreibt. Du ergänzt einen Satz, den nur du schreiben kannst, und schickst ab. Die Pflichtangaben nach Art. 14 DSGVO stehen als fester Block am Ende.
Das geht mit jedem KI-Assistenten oder der Nachrichtenfunktion im Hiring Assistant. Für E-Mails an Adressen aus beruflichen Quellen funktioniert dasselbe Muster.
Schreibe eine Erstansprache für LinkedIn an [Vorname] auf Basis dieser Zusammenfassung: [Zusammenfassung einfügen].
Stelle: [Jobtitel, Firma, Ort oder Remote, Gehaltsspanne, ein besonderer Punkt der Stelle].
Aufbau: ein Satz mit einem konkreten Bezug auf den Werdegang, zwei bis drei Sätze zur Stelle mit dem, was für diese Person neu oder interessant wäre, eine einfache Frage zum Schluss (zum Beispiel, ob ein kurzes Telefonat in den nächsten zwei Wochen passt).
Ton: [Du oder Sie], freundlich, direkt, keine Schmeicheleien, keine Superlative. Höchstens 700 Zeichen ohne den Datenschutzblock.
Hänge diesen Block unverändert an:
„Ich bin auf dein Profil über [Quelle, zum Beispiel LinkedIn] gestoßen und habe deine beruflichen Angaben für diese Anfrage gespeichert. Verantwortlich ist [Firma, Kontakt]. Wenn du kein Interesse hast oder widersprichst, lösche ich deine Daten. Alle Infos: [Link zur Datenschutzinformation].“
Prüf jeden Bezug auf den Werdegang. Sprachmodelle verwechseln Stationen oder übertreiben Erfolge, und eine falsche Angabe beendet das Gespräch, bevor es beginnt. Schick keine Nachricht ungelesen ab.
5. Follow-ups
Viele Kandidaten antworten nicht auf die erste Nachricht, oft schlicht aus Zeitmangel. Ein zweiter Kontakt bringt Antworten. Ein dritter mit derselben Botschaft nervt.
Lass die KI deshalb eine kurze Sequenz schreiben, in der jede Nachricht einen neuen Grund zum Antworten liefert. Das kann eine zusätzliche Information zur Stelle sein oder ein Gespräch mit der künftigen Führungskraft. Die letzte Nachricht schließt freundlich ab.
Hier ist meine Erstansprache an einen Kandidaten: [Text einfügen]. Es kam keine Antwort.
Schreibe zwei Follow-ups:
Follow-up 1 (nach etwa fünf Werktagen): höchstens 300 Zeichen, mit einer neuen Information, die in der ersten Nachricht fehlte, zum Beispiel [Team, Projekt, Homeoffice-Regel, Gehalt].
Follow-up 2 (nach etwa zehn weiteren Werktagen): höchstens 250 Zeichen, freundlicher Abschluss. Sag, dass du dich nicht weiter meldest, und biete an, die Person für künftige Stellen nur mit ihrem Einverständnis vorzumerken.
Keine Wiederholung der ersten Nachricht, kein künstlicher Zeitdruck, keine Formulierungen wie „nur noch kurz nachgehakt“.
Nach einer Absage oder einem Widerspruch ist Schluss. Tools, die auf LinkedIn automatisch Nachrichten verschicken, verstoßen gegen die Nutzervereinbarung (Abschnitt 8.2) und können dein Konto sperren lassen. Follow-ups schickst du also von Hand oder über die Funktionen der Plattform.
6. Antworten und Einwände
Ein klares Ja ist selten. Häufiger kommt eine Rückfrage zum Gehalt oder ein „gerade nicht, aber vielleicht später“. Eine langsame oder ausweichende Antwort kostet dich an dieser Stelle Kandidaten.
Mit deinen Fakten zur Stelle formuliert die KI schnell eine ehrliche Antwort auf den Einwand. Bei einem „später vielleicht“ schlägt sie vor, um eine Einwilligung für den Talentpool zu bitten.
Ein Kandidat hat auf meine Ansprache für [Jobtitel] so geantwortet: [Antwort einfügen].
Fakten zur Stelle: [Gehaltsspanne, Homeoffice-Regel, Arbeitszeit, Team, Prozess, Starttermin].
Schreibe eine Antwort mit höchstens 500 Zeichen:
Beantworte jede Frage direkt mit den Fakten. Wenn ich eine Angabe nicht geliefert habe, schreib einen Platzhalter statt etwas zu erfinden.
Wenn die Person grundsätzlich Interesse hat, schlage zwei konkrete Termine für ein Telefonat vor: [Termine].
Wenn die Person „später“ sagt, frag, ob ich sie mit ihrem Einverständnis für [Zeitraum] in unserem Talentpool speichern darf, und nenne den Link zur Datenschutzinformation: [Link].
Wenn die Person absagt, bedank dich kurz und bestätige, dass ich ihre Daten lösche.
Versprich nichts, was du nicht halten kannst, etwa ein Gehalt über der Spanne. Entscheidungen über Gehalt und Bedingungen bleiben bei dir und der Führungskraft.
7. Talentpool pflegen
Viele Talentpools sind Datenfriedhöfe: alte Kontakte ohne Einwilligung und ohne Löschdatum. Wertlos und obendrein ein Datenschutzrisiko.
KI hilft hier bei der Kleinarbeit. Sie verschlagwortet Kontakte und formuliert Einwilligungs-Anfragen oder die Nachricht, wenn eine passende Stelle frei wird. Manche Bewerbermanagement-Systeme ordnen Kontakte aus dem Pool auch neuen Stellen zu. Behandle das als Vorschlag, denn es ist wieder ein Abgleich.
Talentpool-Funktionen haben zum Beispiel Teamtailor und Personio. Achte darauf, dass das System Einwilligungen und Löschfristen pro Kontakt verwaltet. Weitere Systeme vergleichen wir im Vergleich der KI-Recruiting-Tools.
Hier sind meine Notizen zu einem Kontakt im Talentpool, der eingewilligt hat, bis [Datum] gespeichert zu werden: [nur berufliche Notizen].
Aufgabe 1: Vergib höchstens sechs Schlagworte aus dieser Liste: [eure Liste mit Fachgebieten, Senioritätsstufen, Regionen]. Keine Schlagworte zu Alter, Familie, Gesundheit, Herkunft oder Religion.
Aufgabe 2: Wir haben eine neue Stelle: [Jobtitel, drei Kernpunkte]. Schreibe eine kurze Nachricht an den Kontakt, die an unser letztes Gespräch über [Thema] anknüpft, die Stelle in drei Sätzen beschreibt und fragt, ob Interesse besteht.
Aufgabe 3: Erinnere mich, dass die Einwilligung am [Datum] ausläuft, und formuliere eine Frage, ob der Kontakt sie verlängern möchte.
Ohne Einwilligung darf ein Kontakt nach Abschluss der konkreten Suche nicht im Pool bleiben. Kläre die Frist (zum Beispiel ein oder zwei Jahre) im Vorfeld mit deinem Datenschutzbeauftragten und halte sie im System fest.
Der Einführungsplan für dein Sourcing-Team
- Datenschutzinformation erstellen: Lege eine eigene Seite „Datenschutz für Kandidaten im Active Sourcing“ an, mit allen Angaben nach Art. 14 DSGVO. Ohne diese Seite keine Ansprache.
- Suchprofil-Vorlage festlegen: Fünf Felder pro Stelle: Aufgaben, Muss-Kriterien, Ausschlüsse, Region, Gehaltsspanne. Darauf bauen alle Prompts auf.
- Tarife klären: Nur KI-Tools mit Auftragsverarbeitungsvertrag für Profildaten nutzen. Gratis-Tools bleiben für Suchstrings und Vorlagen ohne Personenbezug.
- Nachrichtenbausteine anlegen: Erstansprache, zwei Follow-ups, Antworten auf häufige Einwände, Einwilligungsanfrage. Jeder Baustein enthält den Art.-14-Block.
- Mensch entscheidet: Lege fest, dass niemand allein wegen eines KI-Rankings aussortiert wird. Bei Tools wie dem Hiring Assistant gehört das in eine Betriebsvereinbarung, wenn es einen Betriebsrat gibt.
- Löschroutine einrichten: Kontakte ohne Antwort und Ablehnungen werden nach einer festen Frist gelöscht. Prüfe das monatlich.
- Kennzahlen messen: Antwortquote, Quote positiver Antworten und Anzahl Gespräche pro Stelle. Vergleiche Vorlagen miteinander, nicht nur mit dem Bauchgefühl.
Woran Sourcing mit KI meistens scheitert
Der häufigste Fehler ist rechtlich: Die Art.-14-Angaben fehlen in der Ansprache oder kommen erst Wochen später. Fast genauso oft landen ganze Profile mit Foto und privaten Angaben im Chat-Verlauf eines Gratis-Tools.
Dann die Texte. Kandidaten erkennen unbearbeitete KI-Nachrichten, und ein falscher Bezug auf den Werdegang wirkt schlimmer als gar keiner. Bots und Browser-Plugins für Massennachrichten verstoßen zusätzlich gegen die LinkedIn-Nutzervereinbarung und schaden deinem Ruf als Arbeitgeber.
Bleibt der Talentpool ohne Löschdatum, in dem Kontakte jahrelang liegen, ohne dass jemand eingewilligt hat.
Recht und Datenschutz
Rechtsgrundlage: Für die Suche und die erste Ansprache stützen sich Unternehmen meist auf ihr berechtigtes Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Das trägt nur, wenn du dich auf Daten beschränkst, die die Person beruflich veröffentlicht hat und die für die Stelle relevant sind. Daten aus privaten Netzwerken oder Fotos haben in der Kandidatenakte nichts zu suchen.
Informationspflicht nach Art. 14 DSGVO: Weil du die Daten nicht bei der Person selbst erhebst, musst du sie informieren. Nutzt du die Daten, um mit der Person zu kommunizieren, ist das spätestens bei der ersten Mitteilung fällig (Art. 14 Abs. 3 lit. b), sonst innerhalb einer angemessenen Frist, längstens innerhalb eines Monats (lit. a). Zu den Pflichtangaben gehören unter anderem Name und Kontakt des Verantwortlichen, Kontakt des Datenschutzbeauftragten, Zweck und Rechtsgrundlage, die berechtigten Interessen, die Speicherdauer, die Betroffenenrechte einschließlich des Widerspruchsrechts und die Quelle der Daten (Art. 14 Abs. 1 und 2). Ein kurzer Block in der Nachricht mit Link auf die ausführliche Information ist in der Praxis üblich.
Widerspruch und Löschung: Widerspricht die Person (Art. 21 DSGVO) oder lehnt sie ab, löschst du ihre Daten (Art. 17 DSGVO). Antwortet sie nicht, gibt es für die Speicherung nach Abschluss der Suche keinen Zweck mehr. Für eine längere Speicherung im Talentpool brauchst du eine Einwilligung.
Wird aus dem Kontakt eine Bewerbung mit späterer Absage, ist eine Aufbewahrung von bis zu sechs Monaten nach der Absage verbreitete Praxis. Sie leitet sich aus den Fristen für AGG-Ansprüche ab: zwei Monate für die Geltendmachung (§ 15 Abs. 4 AGG) und drei Monate für die Klage (§ 61b ArbGG).
KI-Tools: Für Profildaten in einem KI-Tool brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag (Art. 28 DSGVO) und bei Anbietern außerhalb der EU eine Grundlage für den Drittlandtransfer. Bewertet ein Tool Kandidaten, fällt es unter Anhang III Nr. 4 AI Act. Die Betreiberpflichten nach Art. 26 gelten ab 2. Dezember 2027, die Pflicht zu KI-Kompetenz nach Art. 4 schon heute. Automatisierte Absagen ohne menschliche Prüfung sind nach Art. 22 DSGVO unzulässig.
Wettbewerbsrecht: Ein kurzer Erstkontakt am Arbeitsplatz ist zulässig, wenn er nur das Interesse abfragt und die Stelle knapp beschreibt (BGH, Urteil vom 4. März 2004, I ZR 221/01). Ein Anruf, der deutlich länger als wenige Minuten dauert, kann unlauter sein.
Die Ansprache wirkt nur so gut wie die Stelle, auf die sie verweist. Wie du die Anzeige dazu mit KI schreibst, zeigt der Ratgeber Stellenanzeigen mit KI. Für die nächsten Schritte nach der Zusage zum Gespräch lies Strukturierte Interviews mit KI. Wenn du Antworten und Follow-ups automatisieren willst, hilft der Vergleich von Make, Zapier und n8n.
Mit Suchprofil, Vorlagen und Datenschutzblock werden aus den Hunderten Profilen vom Anfang wenige Ansprachen, hinter denen du stehen kannst.
Quellen
- DSGVO Art. 14 (Informationspflicht bei Dritterhebung), Art. 17, Art. 21, Art. 22
- § 15 AGG und § 61b ArbGG
- LinkedIn-Hilfe: Boolesche Suche in Recruiter und Recruiter Lite
- LinkedIn: Hiring Assistant (Funktionen, Sprachen, Herstellerangaben)
- LinkedIn-Nutzervereinbarung, Abschnitt 8.2
- BGH, Urteil vom 04.03.2004, I ZR 221/01 (Nachweise bei dejure.org)
- EuGH, Urteil vom 07.12.2023, C-634/21 (SCHUFA), Pressemitteilung (PDF)
- AI Act, Anhang III (AI Act Explorer)
Zum Mitnehmen
- Die Datenschutzinformation nach Art. 14 DSGVO gehört spätestens in die erste Nachricht an den Kandidaten.
- Lass die KI Boolean-Strings in drei Schärfegraden bauen und teste jeden String an der Trefferzahl.
- Ohne Einwilligung bleibt nach Abschluss der Suche kein Kontakt im Talentpool.
Häufige Fragen
Was bedeutet Active Sourcing?
Active Sourcing heißt, dass Unternehmen passende Kandidaten selbst suchen und direkt ansprechen, statt auf Bewerbungen zu warten. Typische Quellen sind berufliche Netzwerke wie LinkedIn, Lebenslaufdatenbanken von Jobbörsen, Fachcommunities und der eigene Talentpool. Es lohnt sich vor allem für Stellen, auf die kaum jemand aktiv sucht.
Ist Active Sourcing nach DSGVO erlaubt?
Ja, wenn du es sauber machst. Als Rechtsgrundlage dient meist das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO, beschränkt auf beruflich veröffentlichte Daten, die für die Stelle relevant sind. Du musst die Person spätestens mit der ersten Nachricht nach Art. 14 DSGVO informieren, unter anderem über die Quelle der Daten, und ihr ein Widerspruchsrecht einräumen.
Was muss in die erste Nachricht beim Active Sourcing nach Art. 14 DSGVO?
Mindestens: wer du bist und wie man dich erreicht, zu welchem Zweck du die Daten nutzt, aus welcher Quelle sie stammen, wie lange du sie speicherst und dass die Person widersprechen kann. In der Praxis reicht ein kurzer Absatz mit Link auf eine ausführliche Datenschutzinformation für Kandidaten.
Welche KI-Tools gibt es für Active Sourcing?
Das bekannteste ist der LinkedIn Hiring Assistant, ein Add-on zu LinkedIn Recruiter, das Suchen durchführt, Kandidaten bewertet und Nachrichten vorschlägt. Für Konzerne kommen Talent-Intelligence-Plattformen wie Eightfold dazu. Für Boolean-Strings, Ansprachen und Follow-ups reicht ein KI-Assistent wie ChatGPT, Claude oder Copilot.
Was ist ein Boolean-String?
Eine Suchanfrage, die Begriffe mit den Operatoren AND, OR und NOT sowie Anführungszeichen und Klammern verknüpft. Beispiel: ("Data Engineer" OR "Dateningenieur") AND (Python OR Scala) NOT Praktikum. LinkedIn wertet zuerst Anführungszeichen, dann Klammern, dann NOT, AND und zuletzt OR aus.
Kann ich den LinkedIn Hiring Assistant auf Deutsch nutzen?
Ja. Laut LinkedIn ist der Hiring Assistant in sieben Sprachen verfügbar, darunter Deutsch. Er setzt eine Lizenz für LinkedIn Recruiter voraus, Preise nennt LinkedIn nur auf Anfrage.
Wie oft darf ich beim Active Sourcing nachfassen?
Eine gesetzliche Zahl gibt es nicht. Üblich sind eine Erstansprache und ein bis zwei Follow-ups im Abstand von einigen Tagen. Nach einer Absage oder einem Widerspruch schreibst du nicht mehr, und die Daten werden gelöscht, soweit du sie nicht für den Nachweis des Widerspruchs brauchst.
Wie lange darf ich Daten aus dem Active Sourcing speichern?
Nur so lange, wie du sie für die konkrete Stelle brauchst. Antwortet jemand nicht oder lehnt ab, solltest du die Daten zeitnah löschen. Für eine längere Speicherung im Talentpool brauchst du in der Regel eine Einwilligung der Person.
Darf ich Kandidaten am Arbeitsplatz anrufen?
Ein kurzer Erstkontakt ist erlaubt. Der Bundesgerichtshof hat 2004 entschieden, dass ein Anruf am Arbeitsplatz wettbewerbsrechtlich zulässig ist, wenn er nur das Interesse abfragt und die Stelle knapp beschreibt (I ZR 221/01). Ein Gespräch, das deutlich länger als wenige Minuten dauert, kann unlauter sein.
Ist KI im Active Sourcing Hochrisiko nach dem AI Act?
Das hängt davon ab, was die KI tut. Einen Suchstring oder einen Nachrichtenentwurf zu schreiben ist unkritisch. Bewertet oder sortiert ein System Kandidaten, wie es der LinkedIn Hiring Assistant tut, fällt das unter Anhang III Nr. 4 AI Act. Die Pflichten für Arbeitgeber gelten ab 2. Dezember 2027.